Gestern in der Google Zukunftswerkstatt: Storytelling

Es war gestern. Ich saß auf einem dieser modernen, optisch schicken doch eher „mittel-gemütlichen“ Plastikstühle, wie sie moderne Firmen immer häufiger in ihren Besucher-Zonen haben. Vermutlich um zu zeigen, wie unglaublich Hip sie sind. Und wo eher selten jemand drauf sitzt. In diesem Fall war es die Google #Zukunftswerkstatt in München. Eine Tochterfirma von Google,...

Gestern in der Google Zukunftswerkstatt: Storytelling

Es war gestern. Ich saß auf einem dieser modernen, optisch schicken doch eher „mittel-gemütlichen“ Plastikstühle, wie sie moderne Firmen immer häufiger in ihren Besucher-Zonen haben. Vermutlich um zu zeigen, wie unglaublich Hip sie sind. Und wo eher selten jemand drauf sitzt.

In diesem Fall war es die Google #Zukunftswerkstatt in München. Eine Tochterfirma von Google, die kostenlose Weiterbildungen rund um’s Thema Marketing anbietet.

Ich saß dort nicht, weil die Stühle so bequem sind. Das ist offensichtlich. Ich saß dort, weil Fanny dort auf einem Adwords-Kurs war und ich sie abholen wollte. Außerdem gab es dort guten Kaffee, freies Internet, Kekse („come to the dark side – we have cookies“???) Obst und auch sonst eine klasse Getränkeauswahl, zu der ich selbst, als Begleitperson und Babysitter, einfach eingeladen wurde.

Gestern in der Google Zukunftswerkstatt: Storytelling

Und ich konnte einmal wieder an mir selbst beobachten, wie viel es ausmacht, wenn ich einfach gastfreundlich empfangen werde, ohne dass ich gleich zu etwas verpflichtet bin. Ich merkte gleich: Ich würde gerne etwas zurück geben. Doch da war niemand, der etwas wollte. Auch niemand, der auf die Uhr sah und mich erinnerte, dass ich gerade seit 2h das Internet nutze oder schon den 3. Cappuccino trank. Wie angenehm!

Als „Digital Worker“ hatte ich also Optimalbedingungen um gechillt „vor mich hin arbeiten“ zu können. (Abgesehen von den Stühlen… Liebe Firma Google: Stühle dürfen auch bequem sein! Cool allein ist nicht alles. – Doch ich will hier nicht undankbar erscheinen. Es war toll, Euer Gast zu sein! Danke!)

Unterbrochen wurde ich nur von der erst etwas gelangweilt wirkenden Mitarbeiterin Jana, die sich aber schnell als sympathische und hilfsbereite Gesprächspartnerin entpuppte, die mir noch sehr weiterhelfen sollte.

Eigentlich sprachen wir gerade über das Geschäftsmodell der Zukunftswerkstatt und das Google sich über diese kostenlosen Schulungen sehr geschickt neue Nutzer ihrer Werbe-Dienstleistung heranzieht, als ich – mehr so im Nebensatz – erzählte, dass ich ja als Hypnotic Storyteller unterwegs bin und so Menschen helfe, Ihr Thema authentisch und auf den Punkt zu vermitteln. Eben ohne sich zu verbiegen und Fassaden Aufrecht erhalten zu müssen, die sowieso nur dazu führen, dass sie als Abziehbild eines Vertriebler-Clonkriegers wahrgenommen werden und niemand ihnen traut.

Jedenfalls erzählte ich davon und sie grinste und sah mich an… dann lachte sie.

Mein Redefluss stockte etwas, denn es war (in meiner Welt) keine besonders witzige Stelle…

Und sie erklärte mir, dass gerade heute Abend noch ein Storytelling-Workshop statt findet. Gehalten von einer hervorragenden Referentin… und ob ich nicht Bock hätte, da einfach mit zu machen und den Workshop mit meiner Hypno-Version von Storytelling zu bereichern.

Zufall?

War das eine Frage? Ich liebe Geschichten! Ich liebe es, davon zu erzählen! Und ich liebe es auch, mich mit anderen Profis darüber auszutauschen. Denn es kommt jedes mal wieder zu neuen Einsichten.

Ich wollte schon „YEAH!!! Count me in!“ antworten, da kam ein anderer Gedanke: „Bin ich denn schon so weit, mal eben als Co-Referent mit einzusteigen? Bin ich wirklich schon so gut?“

Gestern in der Google Zukunftswerkstatt: StorytellingDa waren sie wieder, die kleinen, gemeinen Selbstzweifel. „Bin ich denn gut genug? Kann ich mich mit der erfahrenen Storytelling-Referentin messen oder stelle ich mich blos? Und weiß ich denn überhaupt irgendwas, was jemanden interessieren könnte?“

Und dann lief etwas los, was Du vielleicht auch schon mal erlebt hast. Eine alte Angst wurde wachgerüttelt.

Schnell liefen alte Muster los und ich erlebte eine Erinnerung aus meiner Schulzeit wieder…Ich stand im Englischunterricht vorne. Ich sollte ein Referat halten. Und ich hatte ALLES vergessen. Ich redete mich um Kopf und Kragen… immer schneller… und mir fehlten immer mehr Worte. Und die Szene lief wieder ab… und wieder… immer größer und schneller… Und ich war voll in die Angst-Trance eingestiegen.

Jetzt bin ich NLP-Coach und Trainer und dann sowas? – Krass!

Und Ja: Ich bin auch nur ein Mensch, wie jeder andere. Und Doch: Ich bin ein Mensch, der weiß, was da in ihm passiert. Doch was hilft das Wissen, wenn der Film gerade mit full speed läuft? Ich hing in der Schleife fest. Augenblicke, die sich wie eine Ewigkeit anfühlen.

„Wäre das nicht klasse?“ Fragte mich plötzlich eine sehr ferne Stimme. Wo war ich? Ach ja, Google… Jana. Danke für die Unterbrechung!

Also veränderte ich mein inneres Erleben (nein – das wird jetzt keine Beschreibung der „Fast Phobia Cure“ -> NLP-Ausbildung hilft ;)) Erwachte wieder aus meiner Panik-Erinnerung und entschied mich.

Wenig später lernte ich Dana von „Wildchild Innovation“ kennen. Sie war die Referentin de Abends. Wir sprachen über unsere Storytelling Ansichten und Erfahrungen. Wir verstanden uns auf Anhieb gut und stellten sogar fest, dass wir beide den agilen Hintergrund teilen. Doch vor allem, dass wir gerade in der Google Zukunftswerkstatt Storytelling auf authentische Art wünschen. Keine Fassaden, sondern echt. 

Doch dann passierte das Unglaubliche: Sie sagte „Und wenn ich so Spezialisten im Kurs habe, dann binde ich die natürlich auch voll ein“ – Und ich wurde plötzlich wieder kleinlaut. Statt mit Ihr zu besprechen, wie wir uns die Bälle zuwerfen könnten, smalltakten wir noch ein bisschen. Und ich fühlte mich erleichtert.

Um es kurz zu halten: Es wurde eine tolle, kurzweilige Einführung ins Storytelling mit sehr vielen praktischen Anteilen. Besonders lohnenswert, wenn Du vielleicht gerade Deine Zielgruppe klärst oder Dir überlegst, wie Du Deinen Pitch noch verbessern könntest.

Dana band von den 27 Teilnehmern alle, die es erlaubten aktiv mit ein. So kam es zu vielen interessanten Beispielen und großartigen Inspirationen. Ich wurde nicht zum Co-Referenten, hatte aber, nach einer kurzen „Auftauphase“, viel Spaß daran, meine Erfahrungen aus der Hypno-Ecke mit einzubringen und so doch noch etwas „zurückgeben“ zu können. Und ich tat es gerne. So viel, dass ich gegen Ende doch noch das Gefühl hatte, als ein, wenn auch etwas feiger, Co-Trainer dabei zu sein.

Mein persönliches Highlight war – neben der Bestätigung, was ich doch schon alles weiß – als Experte für Hypnotic Storytelling an vielen Stellen kleine Anekdoten und ergänzende Sichtweisen liefern zu können, die (so mein Eindruck) für einige der Teilnehmer auch echt hilfreich waren. Die Nachfragen und Gespräche in den Pausen sollten mir diesen Eindruck dann noch bestätigen.

Und ich bedauerte bereits im Verlauf des Kurses sehr, nicht „richtig“ als Trainer dort gewesen zu sein. Denn das Teilen meines Schatzes habe ich in vollen Zügen genossen. Eines ist klar: Nächstes Mal springe ich sofort begeistert auf. YEAH!!! Count me in!

Denn was soll denn dieses Zögern? Ich habe noch Angst vor dem Versagen. Klar. Und ich habe gelernt, dass ich da noch was bearbeiten darf, wenn ich mir nicht selbst im Weg stehen will.

Nach einer langen Fahrt durch die Nacht, sitze ich hier heute  mit einem kalten Glas Wasser an meinem Rechner und schreibe diese Zeilen. Der Stuhl ist bequem aber optisch langweilig, doch bin ich seit gestern wieder ein paar cm gewachsen. Ich lebe noch. Und es geht mir gut. Doch wie würde es mir gehen, wenn ich echt in den Ring gestiegen wäre? Richtig hervorragend!

Mein Fazit:

  • DONT PANIK!
  • Es kommt nie so schlimm, wie Du es Dir vielleicht ausmalen kannst.
  • Du denkst selten an die Fähigkeiten, die Du längst hast.
  • Wissen und Tun sind zwei Paar Stiefel.
  • Ich liebe Geschichten.
  • TUN

hothey

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