8 Storytelling Tipps für Deine erste Geschichte

Eine Geschichte zu schreiben ist der Traum vieler Menschen. Und es ist gar nicht schwer. Wenn du diese 8 Storytelling Tipps befolgst, wird es dir deutlich leichter fallen, begeisternde Geschichten zu schreiben. (Ich habe ergänzende Videos eingebunden – die sind allerdings leider alle auf englisch.)

  1. Storytelling Tipp: Wähle ein cooles Setting.

    Ganz ehrlich: Das Setting beeinflusst alles in deiner Geschichte. Vom Schreibstil, den Dialogen, bis hin zu dem, was an Werten und Annahmen in der Gesellschaft existieren.

    Als Storyteller bist du frei, dir ein beliebiges Setting auszudenken, oder auch eine Geschichte in eine Welt oder Zeit zu setzen, die deinem Publikum bereits vertraut ist. Also wähle eines, in dem du dich auch wohl fühlst. Hier beginnt bereits die Fragestellung:

    Was willst du erreichen? Sollen sich alle Leser oder Zuhörer offen auf etwas unbekanntes einlassen müssen? Oder möchtest du, dass sie sich schnell in eine vertraute Umgebung einfinden und sich schnell heimisch fühlen?

    https://youtu.be/DuHb9b_ykhM

  2. Storytelling Tipp: Starte mit dem Ende.

    Ja, wirklich. Wenn du deine Geschichte entwirfst, solltest du möglichst früh schon genau wissen, wie sie endet.

    Nicht nur hast du dann ein klares Ziel in deiner Story, dass dich wie ein Leitstern führt, auch hast du Gewissheit über das Ende. Du kannst nicht mitten im Schreiben in die Unsicherheit verfallen, wie das Ende wohl werden wird, oder nach 300 Seiten merken, dass du langsam zum Schluss kommen solltest und ein “Hau-Ruck-Ende” schreiben.

    Wenn dir schon früh klar ist, wie die Geschichte endet, gibt es der ganzen Geschichte Sicherheit. Genauer: Es gibt dir als Autor Sicherheit. Denn das großartige Ende, dass du dir ausgedacht hast, hast du ja bereits fertig 🙂

  3. Storytelling Tipp: Der Charakter des Protagonisten ist existenziell – ABER…

    Geschichten handeln von Menschen. Egal ob dein Thema Umwelt, Organisationsstrukturen oder Politik ist. Geschichten handeln von Menschen. Nur dann können wir uns mit dem Protagonisten identifizieren und uns emotional berühren lassen. (Und auch Haustiere, Roboter oder Aliens in den Hauptrollen werden vermenschlicht. Genau aus diesem Grund.)

    Doch wie schaffen wir solch eine emotionale Verbindung?

    Das Zauberwort heißt “Rapport”.  Rapport ist, wenn du im Gespräch mit einem Anderen, plötzlich bemerken, dass ihr gleichzeitig nach dem Wasserglas greift oder die selbe Körperhaltung eingenommen habt.

    Dieses Prinzip funktioniert auch in der Geschichte: Es geht darum, Gemeinsamkeiten zwischen Leser und Protagonisten zu entwickeln oder zumindest Raum dafür zu lassen.

    Ein beliebter Fehler unter Autoren ist es, dem Publikum den Protagonisten in allen Details sowie all seine Ideen und Beweggründen erklären zu wollen, da es (das dumme Publikum) sonst ja nicht versteht.

    Nichts tötet eine Geschichte erfolgreicher!

    Denn:

    1. Dein Publikum will sich mit dem Protagonisten identifizieren. Wenn du zu viele seiner Eigenheiten vorgibst und zu tief in seine Psyche eintauchst, dann wird dem Leser sehr deutlich:Das bin ich nicht. So würde ich nicht handeln. Das habe ich mir anders vorgestellt.Besonders letzteres kennst du sicherlich von Verfilmungen von Büchern, die du gelesen hattest. -> Beachte das Milton-Prinzip. Bleibe vage genug. Gib dem Leser oder Zuhörer deiner Geschichte den Raum, sich in den Protagonisten einzufühlen und Ähnlichkeiten zu entdecken.
    2. Wir (zumindest die meisten von uns) wollen keine Charakteranalysen, sondern ein flüssiges, mitreißendes Buch lesen. Erschöpfende Erklärungen über die Beweggründe des Protagonisten halten den Lesefluss auf. Daher: Mut zur Lücke. Deute an oder lass die Handlungen für seine Beweggründe sprechen.

    Gib deinem Protagonisten eine klare Stärke und eine klare Schwäche (beide können, aber müssen ihm nicht bewusst sein). Gib ihm eine starke Motivation und eine Meinung. Vielleicht noch eine sympathische Eigenheit oder Marotte. Doch lass es nicht zu komplex werden.

    Die Würze der Charakterentwicklung ist es, wenn der Protagonist im Verlaufe der Geschichte eine seiner Haupteigenschaften verändert. Z.B. Wenn jemand, der extrem misstrauisch ist, sich überwindet einer Schlüsselfigur zu vertrauen. Dies kann sehr effektvoll am 2. Plotpoint geschehen, wenn die Spannung ihren Höhepunkt erreicht.

    Ganz allgemein ist die Charakterentwicklung meines Erachtens eines der wichtigsten Elemente einer guten Geschichte. Doch mehr dazu an anderer Stelle.

  4. Storytelling Tipp: Begrenze die Anzahl der weiteren Player.

    Kennst du diese Geschichten, bei denen nach einer Stunde noch immer die wichtigsten Hauptpersonen vorgestellt werden? Oder Bücher, in denen du in jedem Kapitel neue Namen lernen musst?

    Das ist ja nicht pauschal falsch. Und es mag komplexe Geschichten geben, bei denen das nicht anders möglich ist, Doch es nimmt der Geschichte ihre Verständlichkeit und die Leichtigkeit. Und mit dem holprigerem und anstrengenderem Lesefluss steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass dein Leser diese schwere Lektüre beiseite legt und sie lieber zur Erhöhung der Wärmedämmung verwendet – Kurz: sie ins Bücherregal zurück stellt.

    Daher frage dich bei jeder neuen Person, die du in deine Geschichte einbinden willst:
    A) Bringt sie einen essenziellen Mehrwert, der auf den Hauptplot gerichtet ist?
    B) Hätte die Geschichte ein Loch, wenn diese Person nicht auftritt?

    Solltest du beide Fragen mit einem klaren “Ja” beantworten können: Go for it!
    Falls nicht: Lass Person und Szene weg. Ja. Auch wenn die Idee für die Szene mit der Person noch so genial ist. Du musst sie ja nicht komplett vergessen. Es gibt immer eine andere Geschichte, in der du die beiden Fragen oben mit einem klaren “Ja” beantworten kannst. Leg sie einfach in deine “Coole Szenen Schatztruhe”. Und es gibt ja noch:

    C) Könnte möglicherweise eine bereits vorhandene Person die Rolle übernehmen, die du für diese neue Person im Kopf hattest?

    Denn wie oft ist es einfach eine grenzgeniale Szene, die mir vorschwebt die “natürlich” einen perfekt dazu passenden Charakter benötigt… die ich nach gründlicher Überlegung auch mit einem der bereits vorhandenen Charaktere besetzen kann. Und hier gilt wirklich der Storytelling Tipp: Weniger ist mehr!

    Hierzu auch wieder ein sehr schönes Video, dass diesen Punkt wunderbar erläutert:

    https://youtu.be/v0CL4lTYP1M

  5. Storytelling Tipp: Probleme und Überraschungen sind deine Freunde.

    Lass es uns ganz unverblümt betrachten: Die Aufmerksamkeitsspanne unseres Publikums ist extrem kurz. Das bedeutet: Passiert das, was das Publikum erwartet, ist es weg. Deine Geschichte verschwindet im Rauschen der vielen anderen Informationen, die täglich auf uns einprasseln.

    Dein Publikum muss sich also bei jedem Satz fragen: “Wie geht es wohl weiter? Wie kommt der Held da bloß wieder heraus?” Und es muss klar sein, dass die Vorahnung, die dein Leser hat, mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ins Schwarze trifft – zumindest nicht ganz. Wir wollen zwar vertrautes wiederfinden und erleben… doch eben nicht gelangweilt werden.

    Um eine fesselnde Geschichte zu erzählen, müssen wir also die Neugier anheizen. Es muß nicht immer der Erzfeind sein, der dem Helden einheizt. Probleme können überall auftauchen: Der offene Schnürsenkel oder Lippenstift auf den Zähnen können im falschen Moment zu echten Problemen werden. Dazu kommt:

    Es muss auch nicht immer alles absolut logisch sein. Schließlich wollen wir in Geschichten unterhalten (und unterhalten werden). Da wollen wir keine wissenschaftlichen Abhandlungen, sondern Spaß.

    Es sind also die überraschenden Wendungen, die “twists and turns“, die deiner Geschichte den Drive geben.

    Klar oder? Du brauchst also Probleme, Hindernisse, Überraschungen, Verräter und überraschende Verbündete. Sie sind der Treibstoff deiner Geschichte.

    Und nicht vergessen: Du bist der Erzähler. Du bist der Gott deiner Geschichte. Wenn sie spannend und flüssig ist, fragt niemand mehr nach dem “Wieso?”. Sieh dir einfach ein paar der aktuellen Hollywood-Blockbuster an und achte mal ganz bewusst auf die logischen Stränge… Also… Falls du sie findest 😉

    Doch das kommt mit einem ABER: Du darfst jederzeit durch, an den Haaren herbeigezogenen Zufällen, den Helden in die Sch… reiten, um die Spannung zu steigern. Doch nie, nie, NIE darfst du Ihn durch einen puren Zufall retten. Deine Geschichte verliert sonst sofort massiv an Glaubwürdigkeit. (Siehe auch: Pixar Storytelling Regel #19)

  6. Storytelling Tipp: Lasse dein Publikum erleben.

    Lasse dein Publikum die Geschichte erleben. Male Ihnen Bilder. Lasse sie den Konflikt spüren und das kreischen der Sirenen hören.

    Wir erwarten von einer guten Geschichte Kopfkino. Das bedeutet:

    Lass deine Figuren aktiv sprechen. Und gib ihnen ihren eigenen Sprachstil, der durchaus der Situation angepasst sein darf. Beschreibe was es wahrzunehmen gibt, doch überlasse deinem Publikum die Interpretation

    “Der Mann in der Ecke war wütend” ist etwas anders als “Der Mann in der Ecke ballte seine Fäuste, dass die Knöchel weiß hervortraten”

    Dazu gehört auch, dein Publikum nicht alles auf einmal wissen zu lassen. Wie Andrew Stanton von Pixar in seinem Ted Talk so schön sagt: “The audience wants to work for their meal.

    https://youtu.be/KxDwieKpawg

  7. Storytelling Tipp: Vom Pflanzen und Ernten.

    Planting and Pay off” nennt sich ein Prinzip in der Dramaturgie, bei dem der Autor früh in der Geschichte Details einfließen lässt, die später erst eine Rolle spielen.

    Das können Ideen, Baupläne, Tipps und Tricks, oder das Wissen um eine fiese Allergie des Kumpels, der sich später zum Antagonisten entwickelt, sein.

    Häufig sind es die Tools, die uns den entscheidenden Vorteil bringen.

    Lass deinen Helden Ressourcen finden, die ihm später helfen, auch wenn zum Zeitpunkt des Findens der spätere Nutzen noch nicht offensichtlich ist. Wenn der Held plötzlich im dunklen Raum gefangen ist, erinnert sich der Leser oder Zuhörer meist sehr schnell an das Licht-Ding, dass der Held ein paar Szenen zuvor noch achtlos in die Tasche gesteckt hatte. Und das gibt ein gutes Gefühl. Eingepacktes Essen, Geld, Zauberringe, USB-Sticks etc. Was auch immer später noch der unerwartete Retter in der Not werden soll.

    Aber auch hier: Verschwende keine Storytime mit Dingen, die keine Rolle mehr spielen werden. Der Leser oder Zuhörer erwartet es und wird enttäuscht sein, wenn das offene Ende bleibt.

    https://youtu.be/gbD51FVaHXU

  8. Storytelling Tipp: Der AHA-Effekt und “Wozu eigentlich?”

    Eine wirklich gute Geschichte hat eine Message. Es gibt in der Geschichte einen “AHA-Effekt”, eine Erkenntnis, die auch das Publikum inspiriert oder aufrüttelt. Einen Moment, in dem wir eine Parallele zwischen der Geschichte und unserem eigenen Leben entdecken und dass wir manche Dinge vielleicht in Zukunft anders tun könnten.

    Und falls es das noch nicht war: Wenn die Geschichte vorbei ist, sollte ein Frage immer klar zu beantworten sein: “Wozu eigentlich?” Wozu habe ich mir eigentlich die Zeit zum Lesen dieser Geschichte genommen?
    Denn lass uns ehrlich sein: Nutzlosen Schund gibt es genug. Daher halte ich es mit Ghandi: “Sei die Veränderung, die du in der Welt sehen willst.

    Wenn du nur einen dieser Storytelling Tipps für deine nächste Geschichte umsetzt: nimm diesen!

Doch wie ist es mit dir? Fehlt dir hier noch ein guter Tipp?

Schreib gerne deine Meinung oder deinen Tipp in die Kommentare!

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Über den Autor:

Holger Theymann

Holger liebt #UnZiele, Hypnosen und Storytelling. Menschen auf dem Weg zu ihren Zielen zu begleiten ist seine Leidenschaft. Abgesehen davon ist er ein absoluter Tech-Freak genießt gerne mal einen Lagavulin und ist total vernarrt in seine bezaubernde 2-Jährige Tochter, die von der Storytelling-Begeisterung ihres Papa's durchaus profitiert.
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